Tricks der Firmen um den MiLo zu umgehen

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Einige Firmen nehmen den Satz im MiLoG „Der Mindestlohn ist unabdingbar.“ nicht so genau. Bereits vor einem Jahr wurden Praktiken sichtbar, den MiLo zu umgehen.

Gutscheine statt 8,50€
Arbeitnehmer*innen berichteten, dass sie weiterhin einen Lohn unter 8,50€/Std. erhielten, der Rest wurde mit Wertgutscheinen aufgestockt. Diese Masche kommt vor allem aus Sauna- und Solarienbetrieben, Massage- und Friseursalons. Mit Gutscheinen lässt sich aber nicht das Leben bezahlen. Eine schicke Frisur oder eine Massage hilft nicht, wenn Lebensmittel gekauft oder die Miete bezahlt werden muss.

Keine Bezahlung der Standzeiten
In der Taxibranche und auch im Speditionsgewerbe versucht man heute noch die Standzeiten nicht zu bezahlen. Ein/e Taxifahrer*in bekommt nur 8,50€/Std., wenn Fahrgäste gefahren werden.
Einige Spediteure wollten auch das Be- und Entladen von LKWs nicht vergüten sowie z.B. Überfahrten auf einer Fähre. Die Begründung: Es sind Standzeiten, und somit wird kein Geld verdient. Für die Fahrer ist das Be- und Entladen aber schon schwere Arbeit.

Taxi- und Lastkraftwagenfahrer sollten Änderungen zu den Arbeitsverträgen unterschreiben, die besagten, dass die Standzeiten nicht mit vergütet werden.

Zeitungszusteller*in am besten unter 18 Jahre
Der Mindestlohn für Zeitungszusteller*innen beträgt erst ab 2017 8,50€/Std. Trotzdem wollen die Verlagshäuser und deren Dienstleister heute schon nicht den MiLo von 6,38€ bezahlen. Hier wird die Einschränkung im Gesetz ausgenutzt, dass bei den Zeitungszusteller*innen unter 18 Jahre kein MiLo gezahlt werden muss. Die Mitarbeiter*innen werden angehalten ihre minderjährigen Kinder, Geschwister, Nichten, Neffen, Cousins oder Cousinen für die Zeitungszustellung anzuwerben.

Teilzeit statt Vollzeit
Besonders in der Friseurbranche ist 2015 aufgefallen, dass es mehr Teilzeitstellen, dafür aber weniger Vollzeitstellen gibt. Hier hat man die Mitarbeiter*innen neue Arbeitsverträge unterschreiben lassen. Die Mitarbeiter*innen haben per Vertrag zwar einen Teilzeitjob, arbeiten aber weiterhin Vollzeit. Überstunden werden schwarz ausbezahlt oder in Freizeit ausgeglichen.

Trinkgeld als Lohnbestandteil
Besonders in der Gastronomie sind Angestellte auf Trinkgelder angewiesen um genug am Ende des Monats heraus zu bekommen. Die Verrechnung des Trinkgeldes mit dem MiLo wurde schon 2014 befürchtet – und ist wahr geworden. Einige Chefs rechnen die Trinkgelder auf den MiLo an.

Schwarzarbeit nimmt zu
Durch falsche Dokumentation der tatsächlichen Arbeitsstunden, nicht Ausbezahlen von Überstunden und ähnliche Verstöße gegen das Mindestlohngesetz und die Aufzeichnungspflichten nimmt die Schwarzarbeit zu.
Es wird noch auf andere Art getrickst: Man dokumentiert die Arbeitszeit korrekt und bezahlt auch dem entsprechend die richtige Höhe des Lohns aus. Allerdings muss ein Teil des Geldes dem Boss in bar zurück gezahlt werden.

Im Pflegebereich wird der Sachverhalt schwierig. Viele pflegebedürftige Menschen, oder deren Angehörige, können sich tatsächlich keine Pflegekraft leisten, die den MiLo bekommt. In der Not wird auf Pflegekräfte zurück gegriffen, die zwar nicht den Mindestlohn bekommen, aber bar bezahlt werden.

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