Praktikant*innen

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In §22 Abs. 1 MiLoG wird der Begriff des/der Praktikant*in erstmals definiert:

„Praktikantin oder Praktikant ist unabhängig von der Bezeichnung des Rechtsverhältnisses, wer sich nach der tatsächlichen Ausgestaltung und Durchführung des Vertragsverhältnisses für eine begrenzte Dauer zum Erwerb praktischer Kenntnisse und Erfahrungen einer beruflichen Tätigkeit unterzieht, ohne dass es sich dabei um eine Berufsausbildung im Sinne des Berufsbildungsgesetzes oder um eine damit vergleichbare praktische Ausbildung handelt.“

Praktikant*innen im Sinne des §26 BBiG (BerufsBildungsGesetzes) werden im Mindestlohngesetz grundsätzlich erfasst. Hierbei soll der Missbrauch vermieden werden. Aushilfen oder geringfügig Beschäftigte sollen in Zukunft nicht mehr als Praktikant*innen ausgewiesen werden können.
Aber es gibt Ausnahmen:

  1. „Schülerpraktikant*innen“ und „Ausbildungspraktikant*innen“ sind vom Mindestlohn ausgenommen. Sie müssen aber als Schüler- bzw. als Ausbildungspraktikant*innen ausgewiesen werden. Hier gelten die entsprechenden Gesetze, Ausbildungsordnungen, hochschulrechtliche Bestimmungen, etc.
  2. Praktikant*innen, die im Rahmen einer Berufsorientierung ein Praktikum absolvieren, sind nicht vergütungspflichtig (also in Vorbereitung auf eine Ausbildung oder im Rahmen eines Studiums zum Beispiel)
  3. ausbildungsbegleitende Praktika müssen nicht nach dem Mindestlohn bezahlt werden. Diese dauern bis zu 3 Monate

! Das gilt nicht, wenn beim selben Arbeitgeber bereits ein solches Praktikum absolviert wurde.
! Dauert das Praktikum nur 3 Monate, ist es nicht mit 8,50€ vergütungspflichtig. Ist von vorherein klar, dass es über 3 Monate hinaus geht, muss es vom ersten Tag an mit 8,50€/ Std. vergütet werden. Ebenfalls mit 8,50€/Std vom ersten Tag an muss das Praktikum vergütet werden, wenn das Praktikum im Nachgang verlängert wird.

  1. ebenfalls keinen Mindestlohn erhalten Praktikant*innen, die an einer sogenannten Einstiegsqualifizierung oder an einer Berufsausbildungsvorbereitung teilnehmen (gemäß §54a SGB III bzw. §§ 68 – 70 BBiG)

Das bedeutet für den Arbeitgeber, er muss nachweisen können, dass seine bei ihm beschäftigen Praktikant*innen nicht im Sinne des MiLoG vergütungspflichtig sind. Das Kontrollorgan ist der Zoll.

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