„Homophobie im Fußball – Sind Frauen weiter als die Männer?“

homophobieZugegeben – Mannheim liegt für den Besuch einer Podiumsdiskussion etwas weit weg. Aber es wäre der Besuch einer sehr spannenden Podiumsdiskussion. Am kommenden Montag, den 27.07., findet bereits zum 2. Mal beim VfR Mannheim eine Veranstaltung zum Thema „Homophobie im Fußball“ statt. Diesmal konkret zu der Frage: „Sind die Frauen weiter als die Männer?“ Auf den ersten Blick betrachtet schein man diese Frage leicht und mit kurzen Sätzen beantworten zu können. Aber man kann sich auch eine Reihe weiterführender Fragen stellen und so die Diskussion um die Gründe der Homophobie im Fußball und im Alltag vertiefen.

Sind Frauen bezüglich Homophobie weiter als die Männer, weil Frauen empathischer sind? Sind Frauen vielleicht toleranter?
Oder sind Frauen im Fußball einfach nicht in der Anzahl präsent, dass sie eine verlautbare Stimme haben? Trauen sich Frauen im Fußball vielleicht nicht, wie einige Männer, ihre Abneigung gegen gleichgeschlechtliche Liebe laut kundzutun und erwecken dadurch den Eindruck „weiter“ zu sein?

Wo liegen die Gründe für die Abneigung gegen gleichgeschlechtliche Partnerschaften? Meist werden sie von den Protagonisten nicht sachlich begründet. Wie auch. Sie stören sich an zutiefst privaten Angelegenheiten anderer Menschen, die sie nichts angehen. Auf ein „…ich hab ja nichts gegen Schwule, aber…“ folgt meist die Bekundung des persönlichen Widerwillens und oft auch Abscheu und Hass. Wobei man im Allgemeinen  feststellen kann, dass lesbischen Paaren zu mindestens in Worten mehr Toleranz zugebilligt wird als schwulen Paaren. Worin begründet sich diese „ungleich verteilte Homophobie“, die sich hauptsächlich über die Männer auszuschütten scheint?
Verbirgt sich dahinter womöglich ein versteckter Voyeurismus, der durch eine sexuelle Vorstellung beflügelt wird, und infolge dadurch die Frau auf äußere Merkmale reduziert? Ohne Rücksicht auf den Wunsch nach einem ungestörten und selbstbestimmten Leben?
Oder sind die Gegner der gleichgeschlechtlichen Partnerschaften in Rollenklischees des letzten und vorletzten Jahrhunderts verhaftet? Der Mann muss der starke Part in der Beziehung sein, und darüber hinaus in der Gesellschaft. Die Frau hat nur einen geringen Stellenwert. Die gleichgeschlechtliche Liebe und die gesellschaftliche Akzeptanz rütteln an diesem längst hinfälligen Bild. Ist es auch Angst einen imaginären Stellenwert zu verlieren, der einem von der Gesellschaft zuerkannt wird, ohne dass man etwas dafür tun muss?
Ist das der Grund, warum man mit der gleichgeschlechtlichen Liebe unter Frauen nicht so hart ins Gericht geht? Begreift man die Frauen trotz Gleichstellungsgesetze und breiter Aufklärung immer noch nicht als ernstzunehmende Partei?
Man sieht, schon mit wenigen Fragen kann man versuchen dem Problem Homophobie viel tiefer auf den Grund zu gehen. Ein breit angelegter Diskurs verspricht spannend zu werden.
Vielleicht fühlen sich einige durch die aufgeworfenen Fragen in ihrer Empfindlichkeit gestört. Nun, angesichts dessen, dass homophobe Attacken das persönliche Empfinden in einer viel größeren Tragweite stören, erscheinen die Fragen an die Gesellschaft, und vor allem an die Täter, angemessen. Man kann es sogar noch vertiefen.

Homophobie ist nicht nur ein Problem des Fußballs. Es ist ein gesellschaftliches Problem. Die Gesellschaft hat viel zu lange geschwiegen und weggesehen. Es wird Zeit, dass sich die Gesellschaft unangenehme Fragen stellt. Es kann erstaunlich sein, was bei einer ehrlichen Selbstreflektion zum Vorschein kommen kann.

Diese Fragen können nur ein Anfang sein. Auch wenn es bereits die 2. Podiumsdiskussion in Mannheim ist. Und Mannheim wird es als Verein allein nicht schaffen. Es ist überaus wichtig, dass gerade Sportvereine sich positionieren und ihre Ansichten versuchen zu vermitteln. Ein Verein ist sehr oft auch ein Ort, an dem Werte geschaffen und gelebt werden. Man kann als Verein seine Wertvorstellungen formulieren, sie fördern, einfordern und versuchen die Gesellschaft daran partizipieren zu lassen. Man kann es als Verein aber auch gründlich versemmeln.
Eine stillschweigende Hinnahme von verbalen Attacken und körperlichen Übergriffen, gleich welche Gruppe sie betreffen!, kann von den Tätern als Zustimmung gewertet werden und bietet somit erst den Raum für Diffamierungen. Es ist demzufolge die Aufgabe jedes einzelnen Vereinsmitgliedes sich Homophobie entgegen zu stellen.
Außenstehende mögen Fangruppen zuweilen „ungeheuer“ vorkommen, die riesige Banner in der Fankurve spannen, auf denen sie sich klar gegen Homophobie oder auch Rassismus positionieren. Diese Fangruppen bieten aber mit diesen Aktionen Vorurteilen jeglicher Art keinen Platz. Sie verteidigen den Raum für die Vielfalt – und das ist dringend notwendig.

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