Ohne Barrieren ist insolvent – mit wirklich guten Aussichten?

Logo_Ohne-BarrierenAm Freitag, den 27.03. fand beim Verein Ohne Barrieren e.V. eine Mitgliederversammlung statt, in der verkündet wurde, dass der Verein die Insolvenz beim Amtsgericht Rostock angemeldet hat.
In der Montagsausgabe der Ostsee Zeitung fand sich ein Artikel im Lokalteil, der augenscheinlich eher dazu gedacht war eine optimistische Stimmung zu verbreiten als ungeliebte Fakten auf den Tisch zu legen.
Zuerst einmal blieb den Verantwortlichen, darunter der Vorstandsvorsitzende Dr. Christian Knaape (bis 2013 Vorsitzender der Geschäftsführung von Veolia Umweltservice), von Ohne Barrieren nichts anderes übrig als die Wahrheit zu sagen: Der Verein hat hohe Schulden, und diese kann man mit den laufenden Geschäften nicht mehr abzahlen. Der Insolvenzantrag war der Ausweg.Laut dem Insolvenzverwalter Gerhard Brinkmann sind „die Wohnen und Sozialdienste gGmbH mit dem Sportforum, der Küstenmühle, dem Jugendgästehaus Kühlungsborn, der Catering und Gemeinschaftsverpflegung, der Kantine der Arbeitsagentur, Hanseatentreff des FCH und die Wohnen ohne Barrieren und ihr ambulant betreutes Wohnen nicht insolvent“.

Ohne Barrieren betreibt in Rostock:

  • zwei Wohnhäuser sowie Tagesstätten für Menschen mit Handicap
  • Pflege- und Fahrdienste
  • Projekte zur Förderung und Integration behinderter Menschen
  • drei CAP-Märkte in Rostock
  • Hotel Sportforum
  • Die Küstenmühle (Restaurant)
  • Kantine der Arbeitsagentur (hier arbeiten ebenfalls Menschen mit einem Handicap)

Für drei Gesellschaften von Ohne Barrieren wird der Insolvenzverwalter die Sanierungsoptionen prüfen. Das sind der Verein sowie die Tochtergesellschaften Ohne Barrieren gGmbH und CiR gGmbH (dazu gehören auch die CAP-Märkte).
Die Aussage von Brinkmann ist, dass für April, Mai und Juni die Gehälter mit dem Insolvenzgeld gesichert und einen wesentlicher Anteil der Arbeitsplätze erhalten bleiben soll.

Das sind Aussagen aus dem OZ-Artikel, die nachdenklich stimmen. Mit dem drei-monatigen Insolvenzgeld reizt der Insolvenzverwalter die volle Länge der Auszahlung aus. Mehr als drei Monate wird kein Insolvenzgeld von der Agentur für Arbeit gezahlt. Auch Beiträge zur Krankenversicherung und die Sozialversicherungsbeiträge werden von der Agentur für Arbeit bezahlt. An die Arbeitnehmer*innen wird das Insolvenzgeld in Höhe des Nettolohns ausgezahlt.

Wie viele Mitarbeiter*innen sind „ein wesentlicher Anteil“? Wie viele müssen um ihre Arbeit bangen?

Aus welchen Gründen sind die CAP-Märkte betroffen? Hat man den Mindestlohn nicht einkalkuliert und ist von den erhöhten Personalkosten überrascht worden? Betrifft diese Überlegung auch die anderen Bereiche? Dazu äußerte sich weder der Insolvenzverwalter Gerhard Brinkmann noch der Vereinsvorstand Dr. Christian Knaape.

Wir als IWW-Rostock solidarisieren uns mit den Lohnabhängigen von „Ohne Barrieren e.V.“ und ihren Familien,die am Freitag direkt vor dem Wochenende, um 18:00 Uhr, die Nachricht erhielten und stehen an ihrer Seite.

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