Kundgebung für Mehmet Turgut in Rostock

Am Montag, den 25. Februar jährt sich der Mord an Mehmet Turgut zum neunten Mal. An jenem Tag im Jahr 2004 wurde er in Rostock von den Neonazis des NSU erschossen. Bekannt wurde der rassistische Hintergrund der Tat erst im Jahr 2011, als sich der ‘Nationalsozialistische Untergrund’ nach einem gescheiterten Banküberfall selbst enttarnte. Auch in diesem Jahr soll Mehmet Turgut an seinem Todestag gedacht werden. Das Bündnis ‘Erinnern! Verantworten! Aufklären!?’ organisiert hierfür um 15:30 Uhr eine Gedenkkundgebung am Tatort im Neudierkower Weg in Rostock-Toitenwinkel. In dem Bündnis organisiert sind Gruppen und Vereine wie die Grüne Jugend, Bunt statt Braun, die DGB Jugend., Awiro e.V. und Soziale Bildung. In seinem Aufruf und einer Pressemitteilung kritisiert das Bündnis auch den fehlenden Nachdruck von Seiten der Lokalpolitik und der Verwaltung einen Ort des Gedenkens für Mehmet Turgut zu schaffen.

 

„Dass die Stadt selbst nach über einem Jahr keine Ergebnisse vorlegen kann, wie ein Gedenken aussehen soll, ist beschämend“ sagte Imam-Jonas Dogesch, der Mitglied des Rostocker Migrantenrates ist und die Kundgebung anmeldete. Bürgerschaftspräsidentin Karina Jens (CDU), die jüngst in einem ZDF-Beitrag Verständnis dafür äußerte, dass einige Rostocker keinen Gedenkstein für Mehmet Turgut wollen – schließlich sei er ja kein Rostocker gewesen – verteidigte die Stadtverwaltung gegen Kritik. Über ein Jahr nach dem Bekanntwerden des wahren Mordhintergrundes habe sich in der Stadt immerhin eine Arbeitsgemeinschaft gegründet, die die Möglichkeiten für ein Gedenken ausloten soll. Ergebnisse gibt es bisher nicht, die zweite Sitzung findet passenderweise am 25. Februar statt.

Dortmund, Kassel, Hamburg und Heilbronn haben bereits verschiedene Orte des Gedenkens und Erinnerns geschaffen. In Kassel wurde unweit des Ortes an dem Halit Yozgat starb ein Platz nach ihm benannt, Nürnberg zieht im März mit dem Pflanzen von drei Ginkobäumen nach. In den restlichen drei Städten wurden Gedenksteine enthüllt. Dazu verpflichtet hat sich in einer gemeinsamen Erklärung mit u.a. Kassel vom April vergangenen Jahres auch die Hansestadt. Doch wie in München wird es wohl auch in Rostock vorerst kein Mahnmal geben.
Äußerungen wie auf den Sitzungen der Ortsbeiräte Dierkow und Toitenwinkel, auf denen laut NordkurierForderungen nach einer Straßenumbenennung mit „Argumenten wie “wir gedenken ja auch nicht jedem Vergewaltigungsopfer” und Zweifeln an der Legalität von Turguts Aufenthaltsstatus“ begegnet wurde, oder der Vorstoß, doch die von CDU und NPD vehement abgelehnte Ilja-Ehrenburg-Straße in Toitenwinkel in Mehmet-Turgut-Straße umzubenennen, zeigen, dass Teile der Rostocker Lokalpolitik auch 20 Jahre nach Lichtenhagen nichts gelernt haben.

Im letzten Jahr versuchten vermummte und bewaffnete Neonazis die Kundgebung anzugreifen, konnten jedoch nur stören. Die Gruppe um den mutmaßlichen Anführer Michael Fischer griff im Anschluss im Umfeld Polizisten an und verletzte einen von ihnen. Verfahren gegen die Neonazis wurden später eingestellt, da die Tat durch die Vermummung keiner konkreten Person zugeordnet werden konnte.

Auch deshalb werden auch am kommenden Montag wieder viele Menschen an den Mord an Mehmet Turgut in Rostock-Toitenwinkel erinnern und weiter für einen Ort würdigen und stetigen Gedenkens kämpfen.

Montag, 25. Februar, 15:30 Uhr // Neudierkower Weg, Rostock-Toitenwinkel

(Artikel übernommen von http://kombinat-fortschritt.com)

 

 

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