IG Metall: „Faire Leiharbeit“

Übernommen von den Bremer Wobblies.

IG Metall: „faire Leiharbeit“ – voll daneben!

„faire Leiharbeit“ so prangt es auf den Plakatwänden quer durchs Land. In Auftrag gegeben von der IG Metall als mediale Unterstützung ihrer Forderungen in der Tarifrunde.
Die IG Metall fordert neben 6,5 Prozent Lohnerhöhung auch einiges für die LeiharbeiterInnen der Metall und Elektroindustrie. Von den ca. 1 Million LeiharbeiterInnen in der BRD sind immerhin 230 000 in diesem Industriezweig tätig. Die IG Metall möchte daher einen Branchenzuschlag durchsetzen und darüber hinaus im Rahmen der „betrieblichen Mitbestimmung“ der Betriebsräte erreichen, dass diese, bezogen auf den jeweiligen Betrieb, eine zusätzliche Anhebung der Löhne der ZeitarbeiterInnen vereinbaren können.

Die Unternehmerverbände der Leiharbeitsunternehmen befinden sich mit der IG Metall in Verhandlungen, zuletzt am 27. April. Eigentlich müssten sie gar nicht, denn bis Ende 2013 gelten noch die Tarifverträge Leiharbeit die mit der DGB Tarifgemeinschaft abgeschlossen wurden und danach soll der Mindestlohn Ende 2012 um ganze 30 Cent auf 8,19 Euro pro Stunde angehoben werden.

Aber alle gemeinsam haben ein großes Problem: Die Richtlinie 2008/104/EG der Europäischen Union vom 5. Dezember 2008 hat den nationalen Regierungen aufgegeben bis zum 5. Dezember 2011 das Prinzip Equal Pay für LeiharbeiterInnen in ihrem jeweiligen Land zu gewährleisten. Darin drückt sich vor allem der Groll der anderen EU Staaten gegen Deutschland aus, endlich die auch durch billige Leiharbeit hergestellte Lohndrückerei zu beenden. Ist doch das deutsche Kapital in der Lage die Profite durch enorme Lohndrückerei in der Leiharbeit zu steigern und manchen europäischen Konkurrenten über diesen Kostenvorteil aus dem Markt zu drängen.

Somit wäre die Zielstellung im Interesse der LeiharbeiterInnen ganz einfach: Weg mit den besonderen Tarifverträgen für die Leiharbeit; und schon würden die gleichen Bedingungen gelten, wie für die KollegInn am Arbeitsplatz nebenan.
Der Abschluss von besonderen Tarifverträgen für die Leiharbeit ist also nichts anderes als der gemeinsam zwischen DGB Gewerkschaften und in diesem Fall der IG Metall und dem Kapital vorgenommene Versuch, die EU Normen zu unterlaufen, mit dem Ziel den KapitalistInnen in Deutschland einen Konkurrenzvorteil vor allem im EU Raum zu verschaffen. Mit dem gleichen Lohn für gleiche Arbeit ist dies in vielen Metallbetrieben auch so ein Ding. Längst gibt es „Einstiegslohngruppen“, etwa für übernommene Auszubildende, die weit unter dem Stundenlohn der schon länger Beschäftigten liegt. An diesen Niedriglohngruppen orientieren sich in vielen Betrieben die Stundenlöhne der LeiharbeiterInnen.

Vor dem Hintergrund dieser EU Norm erklärt sich die Verhandlungsbereitschaft der Unternehmerverbände der Leiharbeitsbranche überhaupt mit der IG Metall zu verhandeln. Stellten sich die Gewerkschaften stur und würden alle Tarifverträge kündigen, wäre gleicher Lohn für gleiche Arbeit sehr schnell durchgesetzt. Aber nicht genug damit. Ursprünglich waren sich die Gewerkschaften einig: Leiharbeit soll es gar nicht geben. Davon sind IG Metall und DGB längst abgerückt. Aber angesichts der vorhandenen 1 Million LeiharbeiterInnen, dämmert es auch den DGB Führern: Die Unternehmer wollen es bei der Leiharbeit nicht nur bei einem Mittel belassen Auftragsspitzen abzuarbeiten. Längst gibt es Metallbetriebe, die zur Hälfte aus LeiharbeitInnen bestehen und dies gefährdet dann auch den Besitzstand der Stammbelegschaften und führt damit auch zum Verlust von Gewerkschaftsmitgliedern. Also ist das jetzige Tarifgebahren der IG Metall ein Kompromiss zwischen der Notwendigkeit die eigene Mitgliederbasis zu erhalten und den Unternehmen nicht zu sehr in die Suppe zu spucken. Es sei daran erinnert: Seit 2003 haben DGB und IG Metall jeden noch so bescheidenen Armutslohn in der Leiharbeit mit ihren Unterschriften abgesegnet. Zwei Drittel aller Leiharbeitslöhne gehören in den Niedriglohnbereich.

Den Gipfel aller verqueren Gehirnakrobatik stellt jedoch die Formulierung „faire Leiharbeit“ dar. Zunächst ist schon einmal festzustellen, bei jeglicher Lohnarbeit handelt es sich um ein Ausbeutungsverhältnis. Der von den KapitalistInnen ausgezahlte Lohn (einschließlich aller Bestandteile der Sozialversicherung) ist nur ein Teil, der durch die Lohnarbeit geschaffenen Werte. Dies heißt: bei jeglicher Lohnarbeit eignet sich die KapitalistIn den anderen Teil des Ergebnisses der Arbeit (Mehrwert) kostenlos an. Wenn eine Gewerkschaft jedoch „faire Leiharbeit“ zum Ziel erhebt, behauptet sie auch, dass faire Leiharbeit möglich ist und schon ist die Welt in Ordnung. Damit segnet sie nicht nur Lohnarbeit und damit implizit Ausbeutung und Reichtum auf der einen Seite und Armut, potentielle Erwerbslosigkeit und Ruin der Gesundheit auf der anderen Seite ab, sondern sie stellt der besonders niedrig entlohnten, am schlechtesten gesicherten Arbeitsverhältnis – Leiharbeit – eine Existenzberechtigung aus. Wow! Hatte also der damalige Chef des Bundesverbandes der Industrie, Michael Rogowski im Jahre 2004 doch recht als er feststellte: „Es ist Klassenkampf und es ist gut so, dass der Gegner auf der anderen Seite kaum noch wahrzunehmen ist.“ Die Gegner auf der anderen Seite wären aber doch eigentlich die DGB Gewerkschaften, oder?

Aber wenn diese sich nicht wehren und seit der Agenda 2010, den Hartz Gesetzen und jeden anderen Angriff auf die ArbeiterInnen in diesem Lande faktisch ohne nennenswerten Widerstand durchgewunken haben, so sind sie eben keine wahrnehmbaren Gegner, sondern bestenfalls Verbündete für den Profitablen Standort Deutschland.

1 comment to IG Metall: „Faire Leiharbeit“

  • bürgernr1234

    ich finde es sehr lustig was ich gesehen habe als ich aus der s-bahn rausschaute
    als erstes war ich sauer und dachte das müsste doch heißen faire arbeit hmm jezt
    versuchen diese plagegeister es schon mit psychotricks in dem man den leuten suggeriert das es nur noch zeitarbeit gibt hmm aber nach längerm hin und her denken bin ich der meinung sie haben sich ein dickes eigentor geschossen da sie ja von vorn herrein zugeben das zeitarbeit nicht fair ist oder wie seht ihr das???

    nur so ein gedanke

    ein bürger

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